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Ein Kundenanlass am Zürichsee, ein Messetermin in Düsseldorf, eine Besichtigung an Bord: Der Arbeitsplatz von Schweizer KMU ist längst nicht mehr nur das Sitzungszimmer. Wer Geschäftspartner zu einem Termin auf einer Cranchi 67 begleitet oder Kunden zu einem Anlass am Wasser einlädt, steht dabei genauso im Blick wie in der Sitzung – nur ist dort deutlich weniger klar, was angemessen ist. Business Casual im Büro zu treffen, ist schon nicht trivial. Unterwegs wird es zur offenen Frage, die im Zweifelsfall der Mitarbeitende allein am Vorabend beantworten muss.

Was Business Casual bedeutet – und warum die Definition unterwegs wackelt

Der Begriff stammt aus dem angloamerikanischen Raum und hat sich seit den 1990er-Jahren auch in der Schweizer Geschäftswelt etabliert. Gemeint ist ein Kleidungsstil, der professionell und gepflegt wirkt, aber auf strenge formelle Elemente wie Krawatte oder Kostümjacke verzichtet – ein Bereich zwischen klassischem Businesslook und Freizeitkleidung. Genau diese Zwischenlage lässt viel Interpretationsspielraum.

Im Büro fällt das kaum auf. Der Rahmen ist bekannt, die Kollegen sind der Massstab, und wer daneben liegt, merkt es spätestens am zweiten Tag. Ausserhalb des Büros fehlt dieser Korrekturmechanismus. Auf einer Messe, im Zug zum Kundentermin oder auf einem Steg gibt es keine Referenzgruppe – und die Bedingungen sind andere: Wetter, Untergrund, Bewegung, oft ein ganzer Tag ohne Möglichkeit, sich umzuziehen.

Die häufigsten Missverständnisse im Überblick

Diese Kleidungsstücke werden regelmässig falsch eingeordnet:

  • Jeans passen in den Rahmen, wenn sie dunkel, gepflegt und schlicht geschnitten sind. Helle Waschungen, auffällige Nähte oder sichtbare Abnutzung fallen in den Freizeitbereich.
  • Sneakers werden zunehmend akzeptiert, aber nicht in jeder Branche und nicht zu jedem Anlass. Ein Kundengespräch stellt andere Anforderungen als ein internes Teammeeting.
  • T-Shirts ohne Kragen oder mit Aufdruck gelten in den meisten Kontexten nicht als angemessen, auch wenn sie neu und sauber sind.
  • Sportkleidung – Trainingsjacken, Laufschuhe mit technischem Obermaterial, Funktionshosen – ist ausgeschlossen, unabhängig von Marke oder Qualität.
  • Stark körperbetonte oder sehr ausgeschnittene Kleidung passt nicht in diesen Rahmen, unabhängig vom Geschlecht.

Unterwegs kommt eine sechste Kategorie dazu, die im Büro keine Rolle spielt: Kleidung, die zwar korrekt aussieht, aber der Situation nicht standhält. Ledersohlen auf einem nassen Steg, ein heller Anzug bei Wind, eine Jacke, die nach vier Stunden Zug aussieht wie nach vier Stunden Zug.

New Work heisst auch: Der Arbeitsplatz wechselt

Die Debatte über neue Arbeitsformen dreht sich meist um Homeoffice, flexible Zeiten und flache Hierarchien. Ein Aspekt kommt dabei zu kurz: Mit der Flexibilisierung hat sich auch der Ort verschoben, an dem repräsentiert wird. Wo früher der Kunde ins Büro kam, findet der Termin heute auf einer Messe statt, in einem Coworking-Space, bei einem Anlass ausserhalb der Geschäftszeiten – oder eben am Wasser.

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Dass diese Verschiebung mehr als eine Stilfrage ist, zeigt sich, sobald sie Landesgrenzen überschreitet. Das SECO-KMU-Portal weist darauf hin, welche Fragen beim Homeoffice aus einem EU-/EFTA-Land für Arbeitgeber entstehen – von der Sozialversicherungsunterstellung über den Datenschutz bis zur Frage, welches Arbeitsrecht überhaupt gilt. Wer den Arbeitsort flexibilisiert, muss also ohnehin nachziehen. Der Dresscode ist dabei der einfachste Punkt auf der Liste, aber eben auch einer, der gern vergessen wird.

Für die Kleiderfrage bedeutet die Verschiebung eine strukturelle Veränderung. Ein Dresscode, der nur den Bürotag regelt, deckt einen immer kleineren Teil der Situationen ab, in denen Mitarbeitende tatsächlich wahrgenommen werden. Wer New Work ernst nimmt, muss die Kleiderfrage vom Ort lösen und an den Anlass binden.

Drei Situationen, drei Anforderungen

Auf Reisen. Wer morgens in Bern startet und mittags in Mailand präsentiert, verbringt einen erheblichen Teil des Tages in Bewegung. Knitterarme Materialien, eine Zwischenschicht statt eines schweren Mantels und Schuhe, die auch Kopfsteinpflaster überstehen, sind hier keine Stilfrage, sondern Voraussetzung dafür, beim Termin präsentabel anzukommen.

Bei Kundenanlässen. Messen, Firmenevents und Netzwerkveranstaltungen liegen meist eine Stufe über dem täglichen Bürostandard. Das bedeutet in vielen Fällen bereits: eine Jacke anziehen, auf Freizeitschuhe verzichten, das Gepflegte sichtbar machen.

Am und auf dem Wasser. Hier greift eine eigene Logik. Auf einem Steg oder an Bord sind glatte Ledersohlen ein Sicherheitsproblem und dunkle Sohlen auf hellen Decks ein Ärgernis, das jeder Eigner kennt. Wer eine Yacht besichtigt oder Gäste an Bord begleitet, kombiniert daher besser eine gepflegte Chino mit hellen, griffigen Sohlen und einer windtauglichen Schicht – korrekt genug für das Gespräch, praktikabel genug für die Umgebung. Ein Anzug wirkt in dieser Situation nicht souveräner, sondern deplatziert.

Warum das für Networking den Unterschied macht

„Kleider machen Leute” ist eine Binsenweisheit, aber der Mechanismus dahinter ist gut untersucht. Wer ein Gespräch mit einer unbekannten Person führt, schätzt die eigene Wirkung meist schlechter ein, als sie tatsächlich ist – die Psychologie spricht von der Liking Gap. Wie die Universität Zürich zusammenfasst, ist Ihr erster Eindruck besser, als Sie denken; die eigene Leistung im Gespräch wird kritischer bewertet als die des Gegenübers, und ausgeprägt selbstsichere Personen zeigen den Effekt nicht.

Für die Kleiderfrage folgt daraus nichts über Stoffe und Schnitte, aber viel über den Kopf: Wer beim Betreten des Raums noch überlegt, ob er zu leger oder zu formell gekommen ist, gibt genau der Unsicherheit Raum, die ohnehin zu gross ausfällt. Ein klarer Rahmen nimmt diese Frage vorweg.

Für KMU ist das kein Nebenschauplatz. Anlässe ausserhalb des Büros sind oft die einzige Gelegenheit, mit Entscheidern in Kontakt zu kommen, die im normalen Vertriebsweg nicht erreichbar sind. Ein Team, das für solche Situationen keine Orientierung hat, verschenkt genau dort Wirkung, wo sie am meisten zählt.

Rechtliche Aspekte in der Schweiz

Kleidervorschriften am Arbeitsplatz sind in der Schweiz zulässig, soweit sie sachlich begründet und verhältnismässig sind. Das Weisungsrecht des Arbeitgebers ist im Obligationenrecht verankert; wie weit es im Einzelfall reicht, hängt von der Situation ab. Als Faustregel gilt: Je enger der Kundenkontakt und je stärker das Erscheinungsbild die Aussenwirkung des Unternehmens prägt, desto eher sind Vorgaben zulässig.

Bei Anlässen ausserhalb der Arbeitszeit wird die Sache heikler. Verhaltensweisungen müssen einen Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis aufweisen und sich auf das betrieblich Notwendige beschränken – Kleidervorschriften werden dabei ausdrücklich als zulässiger Gegenstand genannt. Auf die Freizeit greifen Weisungen jedoch nur in Sonderfällen durch, etwa in Tendenzbetrieben; das ergibt sich aus der allgemeinen Pflicht zur Befolgung von Weisungen und ihren Schranken. Für Firmenanlässe mit freiwilliger Teilnahme ist eine Empfehlung deshalb die tragfähigere Lösung als eine Vorschrift – und in der Praxis auch die wirksamere.

Was praktisch ins Gepäck gehört

Unternehmen, die ihre Leute regelmässig zu Terminen ausserhalb des Büros schicken, ersparen sich viele Rückfragen mit einer schlichten Packempfehlung. Sie muss nicht länger sein als ein paar Zeilen:

  • Eine Jacke oder ein Blazer, der auch nach mehreren Stunden im Gepäck noch tragbar ist
  • Schuhe mit griffiger Sohle, die zum Termin passen – bei Anlässen am Wasser mit heller Sohle
  • Eine wind- und wetterfeste Schicht, die nicht nach Outdoorausrüstung aussieht
  • Ein Wechseloberteil, wenn zwischen Anreise und Termin keine Pause liegt
  • Zurückhaltende Accessoires statt eines auffälligen Einzelstücks

Der Sinn liegt weniger in der Liste selbst als darin, dass jemand sie einmal durchdacht hat. Mitarbeitende, die eine solche Empfehlung erhalten, müssen am Vorabend nicht mehr raten.

Regeln für unterwegs schriftlich festhalten

Eine Kleiderordnung einzuführen bedeutet nicht, ein mehrseitiges Regelwerk zu verfassen. In den meisten Fällen genügen wenige klar formulierte Sätze mit konkreten Beispielen. Der Unterschied zwischen einem funktionierenden und einem ignorierten Dresscode liegt in der Kommunikation, nicht im Umfang.

Sinnvoll ist eine Gliederung nach Anlass statt nach Ort: Bürotag, Kundentermin extern, Messe und Netzwerkanlass, Firmenevent. Für jede dieser Kategorien reicht ein Satz, der das erwartete Niveau beschreibt, plus ein Beispiel. Wer dann noch festlegt, wer bei Unsicherheit ansprechbar ist, hat den grössten Teil der Arbeit erledigt – wichtig ist, dass diese Rolle als Orientierungs- und nicht als Kontrollfunktion verstanden wird.

Neue Mitarbeitende und Lernende

Besonders wertvoll ist eine solche Orientierung für Berufseinsteiger. Junge Mitarbeitende und Lernende haben oft keine Vorstellung davon, was bei einem externen Termin erwartet wird, und die wenigsten fragen von sich aus nach. Ein kurzes Gespräch vor dem ersten Kundenanlass oder ein einseitiges Merkblatt im Einführungsprogramm verhindert Situationen, die für alle Beteiligten unangenehm sind.

Wer zum ersten Mal zu einem Anlass ausserhalb des Büros mitgenommen wird, sollte vorab wissen, worauf es ankommt – nicht erst dann, wenn er mit den falschen Schuhen auf dem Steg steht.

Fazit

Solange der Arbeitsplatz das Büro war, reichte ein Dresscode für den Bürotag. Mit ortsflexiblen Arbeitsformen hat sich das verschoben: Repräsentiert wird zunehmend unterwegs, bei Anlässen, auf Messen, an Orten mit eigenen Anforderungen. Business Casual bleibt dabei der richtige Rahmen – er muss nur an den Anlass gebunden werden statt an den Ort.

Nehmen Sie sich eine halbe Seite Zeit: Welche Anlässe ausserhalb des Büros kommen in Ihrem Betrieb regelmässig vor? Welches Niveau ist dort erwartet, und was ist praktisch sinnvoll? Wer das einmal festhält und neuen Mitarbeitenden mitgibt, spart Rückfragen und gibt seinem Team die Sicherheit, die es für einen überzeugenden Auftritt braucht – ob im Sitzungszimmer, auf der Messe oder auf dem Wasser.

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